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Mehr Raum

Yllaria

Die Füße der Waldelfe trugen sie langsam in Richtung ihres Zuhauses. Nachdenklich ließ sie die Worte von E’lessar in sich nachklingen und wog seine Überlegungen gegeneinander ab. Sie hatten über die Erschaffung der Räume in ihrem Geist gesprochen. Der Lichtelf befürchtete, dass es zu einer zeitlichen Verzerrung kommen könnte, wenn sie innerhalb eines solchen Raumes einen Zauber formte, zwischen dem Moment, in dem die Magie in ihrem Geist entstand, und dem Augenblick, in dem sie außerhalb wirksam wurde. Möglich. Aber vielleicht ließ sich genau das verhindern.

Die Räume durften keine abgeschlossenen Orte sein. Sie mussten reine Gedankenkonstrukte bleiben, durchlässig für ihre Magie und dennoch klar genug voneinander getrennt, um ihr Halt und Orientierung zu geben. Bisher hatte sie bei diesem Konstrukt immer an reale Räume gedacht. Wände, Grenzen, feste Formen. Als sie schließlich ihr Haus erreichte, blieb Yllaria jedoch stehen. Ihr Blick wanderte zur Tür, dann zurück zu den Bäumen. Nicht weit entfernt lag eine kleine Lichtung, die sie gut kannte. Eine schmale Wiese in ihrer Mitte, eingerahmt von großen alten Bäumen, die wie stille Wächter um sie herumstanden. Vielleicht war das die bessere Vorstellung. Yllaria wandte sich vom Haus ab und ging hinüber.

Sie nahm sich Zeit, die Lichtung langsam zu umrunden. Ihr Blick glitt über jeden einzelnen Baum. Über die Art, wie sich ihre Kronen im Wind bewegten, über die Verzweigungen der Äste und die feinen Unebenheiten der Rinde. Manche Stämme waren glatt, andere von tiefen Furchen durchzogen. Moos kroch an ihren Wurzeln empor, kleine Pflanzen wuchsen dort, wo sich Erde zwischen ihnen gesammelt hatte. Sie prägte sich jedes Detail ein. Den Abstand zwischen den Bäumen. Das Licht, das durch ihre Kronen fiel. Die Form der kleinen Wiese in ihrer Mitte.

Nach und nach nahm der Raum in ihrem Geist Gestalt an. Nicht wie etwas Eingeschlossenes. Mehr wie eine Lichtung. Die Bäume bildeten ihre Grenzen, ohne sie wirklich abzuschließen. Zwischen ihren Stämmen blieb Raum. Durchlässigkeit. Ihre Magie konnte hindurchfließen, ohne dass die Form selbst verloren ging. Yllaria spürte die Verbindung zwischen den Bäumen und ließ dieses Gefühl ebenfalls Teil des Konstrukts werden. Jeder stand für sich und war dennoch mit den anderen verbunden. Gemeinsam gaben sie dem Raum seine Gestalt.

Zufrieden lächelte die Waldelfe in sich hinein. Der erste Schritt war geschafft. Nun musste sie lernen, diesen Raum dauerhaft aufrechtzuerhalten. So lange, bis er keine bewusste Anstrengung mehr erforderte. Bis er einfach da war.

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