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Re: Besorgter Besuch am Abend

Aenur Dent

Der nächste Auftrag kam schneller, als Aenur lieb war. Lord ni'Dulana hatte einen Plan gefasst, wie sich der Balor aus dem Weg schaffen ließ. Dafür stellte er eine kleine Truppe zusammen, die bereit war, sich dem Untier entgegenzustellen. Aenurs Aufgabe war dabei klar. Er musste den Balor erneut aufspüren und einen geeigneten Ort außerhalb des Waldes finden, an dem man ihn stellen und angreifen konnte.

Seine Ausrüstung lag bereits bereit. Bogen, Köcher, Klinge und das dunkle Tuch, das ihm schon bei seinem letzten Ausflug gute Dienste geleistet hatte. Er prüfte alles ein letztes Mal, bevor er sich auf den Weg machte. Snort blieb diesmal zurück. Diese Aufgabe würde er allein übernehmen.

Er verließ Minnersbach durch das westliche Tor und verschwand wenig später zwischen den ersten Bäumen der nordwestlichen Wälder gen Yew. Der Wald nahm ihn auf, wie er es schon unzählige Male zuvor getan hatte. Dunkel. Feucht. Schweigend. Doch Aenur wusste mittlerweile, dass diese Stille zur Zeit trügerisch war.

Er bewegte sich langsam durch den Bestand, als wäre er auf der Pirsch. Immer wieder blieb er stehen, lauschte und suchte nach Spuren. Verbrannte Äste. Aufgewühlter Boden. Verkohltes Holz. Alles, was ihm einen Hinweis auf die Richtung geben konnte, aus der die Kreaturen gekommen waren.

Der Geruch von Schwefel war noch immer wahrnehmbar. Er war schwach, aber dennoch vorhanden, somit folgte er ihm ihm. Stunde um Stunde arbeitete er sich tiefer in die Wälder vor. Die Nacht war inzwischen vollständig hereingebrochen. Nur selten drang das fahle Licht des Mondes durch das dichte Blätterdach. Dann fand er endlich die erste Spur. Ein Baum war zur Hälfte verbrannt. Nicht durch Feuer, wie Aenur schnell erkannte. Die Rinde wirkte wie geschmolzen und tief ins Holz eingebrannt.

Er ging in die Hocke und berührte den Boden. Warm. Aenur zog die Hand zurück.

„Da bist du also …“

Er erhob sich langsam und folgte der Spur weiter. Je weiter er kam, desto deutlicher wurden die Zeichen. Bäume waren umgestürzt. Das Unterholz war verbrannt. An einigen Stellen glühte die Erde noch immer schwach unter einer Schicht aus Asche. Dann sah er ihn.

Zuerst nur eine Bewegung zwischen den Bäumen. Dann eine Gestalt. Groß. Viel zu groß. Der Balron trat aus dem Schatten hervor und Aenur verhoffte sofort. Er hatte schon viele Dinge gesehen: Menschen, Orks, Dämonen und Kreaturen, deren Namen er nicht einmal kannte. Doch dieses Wesen war abslut anders, denn es strahlte eine Gewalt aus, die selbst aus der Entfernung spürbar war. Der Balor bewegte sich langsam durch den Wald. Jeder Schritt ließ Äste brechen. Flammen leckten über seinen Körper und warfen ein rötliches Licht auf die umliegenden Bäume.

Aenur beobachtete ihn und dachte nach. Nicht die Kreatur selbst war das Problem. Der Ort war es. Hier in den nordwestlichen Wäldern konnte man dieses Untier nicht stellen. Zu viele Möglichkeiten, zu viele Richtungen und zu viel Wald. Sie bräuchten einen Ort, an dem der Balor keine Wahl hatte. Aenur zog sich langsam zurück. Er folgte dem Wesen noch eine Weile aus sicherer Entfernung, während sein Blick immer wieder über das Gelände wanderte. Dann kam ihm plötzlich ein Gedanke.

Skara Brae. Die kleine Stadt am Meer.

Er hatte die Stadt in letzter Zeit öfter zur Geisterstunde besucht. Und er kannte die Umgebung inzwischen gut genug, um die Möglichkeiten zu erkennen. Dort gab es alles, was sie brauchen würden: offene Flächen, Wege, Engstellen und vor allem: wenig Wald.

Wenn das Ungetüm dorthin gebracht werden konnte, würde er sich nicht einfach zwischen den Bäumen zurückziehen können. Man konnte ihn beobachten. Man konnte ihn lenken und man konnte eine Falle vorbereiten. Aenur ging viele Möglichkeiten im Kopf durch. Er brauchte einen Köder, eine glaubhafte Spur. Etwas, das die Kreatur dazu brachte, genau dorthin zu gehen, wo er sie haben wollte.

Er sah noch einmal zurück. Das Wesen war inzwischen weitergezogen. Flammen verschwanden zwischen den Bäumen und ließen nur einen rötlichen Schein zurück. Skara Brae. Dort würde die Falle zuschlagen. Aenur zog das Tuch wieder über Mund und Nase, wandte sich ab gen Minnersbach und machte sich auf den Rückweg.

Lord ni'Dulana und der Rest mussten wissen, was dort draußen auf sie wartete. Und noch wichtiger: Sie mussten wissen, dass es eine Möglichkeit gab, das Untier aus den Wäldern herauszulocken.

Der Wald blieb hinter ihm zurück.

Still.

Aber nicht mehr lange.

Denn irgendwo zwischen den Bäumen zog der Balor weiter durch die Nacht.

Und Aenur wusste nun, wohin er ihn führen wollte.

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