Der Hauch zwischen den Seiten (Yewkrypta)
Ein Betrachter
Ein schwerer Geruch lag in der Luft. Verbrauchte Luft und Staub. Einzelne Körner tanzten in den Sonnenstrahlen, die durch die Fenster der Bibliothek fielen. Buchrücken reihte sich an Buchrücken, manche mit schwarzen, andere mit goldenen Lettern versehen. Ein jeder von ihnen Träger seiner eigenen Geheimnisse. Doch nicht alle davon sollten für alle Zeit archiviert sein. In einer der hintersten Ecken stand es. Eingehüllt in Schatten und Staub, die Lettern auf seinem Rücken kaum noch zu erkennen. Schon lange hatte keine Hand mehr nach ihm gegriffen. Und vielleicht war genau das das Problem. Denn es enthielt Hinweise auf jene Geheimnisse, die der Lichtelf zu ergründen versuchte. Auch wenn das Buch offenbar nicht bereit war, sie ihm einfach so zu offenbaren. Waren die ersten Seiten noch in einer eleganten Handschrift verfasst, begann die Tinte auf den folgenden zunehmend zu zerfließen. Auch das Papier hatte längst sein ursprüngliches Weiß verloren und einen hellgrünen Ton angenommen. Je weiter man blätterte, desto feuchter wurden die Seiten. Vielleicht würde der Geruch den Elfen in die richtige Richtung weisen. Sporen überzogen die letzten Seiten beinahe vollständig und nicht wenige von ihnen schwebten vor dem Buchrücken in der Luft. Etwas haftete ihnen an, kaum wahrnehmbar und doch fremd, ein Hauch jener Kälte und Leblosigkeit, wie sie sonst nur Untoten eigen war. Als versuchten sie, nicht nur die Geheimnisse dieses einen Buches, sondern auch jene der anderen zu verschleiern.
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