In dem Augenblick, in dem das Manageflecht in ihr brach und das Tor entstand, wusste sie, dass sie auf die eine oder andere Weise in dieser Nacht sterben würde. Vielleicht hätte dieser Gedanke sie mit Angst erfüllen sollen, stattdessen legte sich eine nie gekannte Klarheit über sie. Als Waldelfe kannte sie das Geheimnis des Kreislaufs. Jeder Teil von ihr, das Blut, das durch ihre Adern rauschte, war geschaffen aus allem, was sie umgab, aus der Erde und der Luft, auf ewig miteinander verbunden. Sie fürchtete den Tod nicht und auch nicht alles, was dazwischenlag, war es doch nur ein weiterer Ausdruck dieses Kreislaufs. Wäre sie allein gewesen, hätte sie sich dem Tor zugewandt, das an ihr zerrte und ihr Leben und ihre Magie in sich aufnahm. Sie hätte dem Schmerz nachgegeben und das Leiden verkürzt. Sie wusste, dass eine direkte Berührung zu ihrem sofortigen Ende geführt hätte. Zu stark war der Sog, der an ihr zerrte. So aber bot sich ihr ein weiterer Ausweg. Vielleicht war es ein Weg, der seit ihrer Begegnung in der Taverne immer vor ihr gelegen hatte. Und vielleicht hatte ein Teil von ihr es seit diesem Moment gewusst. Den Schmerz des Ziehens sperrte sie in einen ihrer Kopfräume und zog die Abgrenzungen darum fester. Zu wichtig war dieser Augenblick, als dass der Schmerz ihn überschatten sollte. Sie versank in den blauen Augen, die auf sie gerichtet waren. Er mochte ein Geschöpf der Nacht sein und die Dunkelheit ihn das eine oder andere Mal berührt haben. Aber alles, was sie sah, als sie in seine Augen blickte, war Licht. Ruhe legte sich über sie. Wenn man erst einmal wusste, was vor einem lag, erschienen die Schritte in diese Richtung nur allzu leicht. Sie spürte der Verbindung zwischen ihnen nach und versank darin, als seine Zähne die Haut an ihrem Hals durchbrachen. Kurz zuckte ihr Körper unwillkürlich zusammen, dann lehnte sie sich in seine Umarmung und zog ihn näher zu sich. Als sein Blut ihren Mund erfüllte und sie es in sich aufnahm, spürte sie, wie die Verbindung zwischen ihnen neu geschaffen wurde. Wie sie zu etwas ganz anderem wurde, wie auch sie selbst als Teil dessen. Im gleichen Augenblick brach das Tor in sich zusammen und der Sog auf ihren Körper verebbte. Erleichterung durchflutete sie und mischte sich mit Freude darüber, in dieser Nacht nicht vollständig auf die andere Seite gezogen worden zu sein. Dankbar glitt ihr Blick über Nathan, auch wenn sie wusste, dass die eigentliche Wandlung in ihr gerade erst begonnen hatte. Beiträge in diesem Thread
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