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Verbindung

Yllaria

Es fühlte sich an, als wäre ihr Körper in einer Art Stasis gefangen, festgehalten in einer einzigen Sekunde, die sich immer wieder wiederholte. Anfangs war es ihr kaum aufgefallen. Zu frisch und überwältigend waren die Eindrücke gewesen. Das neue Band, das sich zwischen ihr und Nathan geknüpft hatte und dessen Echo tief in ihrem Inneren nachhallte.

Erst jetzt, als sie wieder allein war und ihr Blick auf dem dunklen Wald vor ihr ruhte, nahm sie diesen Zustand wirklich wahr. Sie hätte ihre Füße in keine andere Richtung bewegen können. Zu stark war der Ruf des Waldes, zu groß ihre Sehnsucht nach der Sicherheit des La.

Mit den ersten Schritten zwischen die Bäume begann die Magie, die ihren Körper in diesem einen Augenblick festgehalten hatte, langsam von ihr zu weichen. Die erste Welle des Schmerzes traf sie. Yllaria taumelte und klammerte sich an den Stamm des nächsten Baumes, um nicht zu Boden zu sinken. Ein heftiges Ziehen entstand tief in ihrem Inneren, als versuchte etwas, sie von innen auseinanderzureißen.

Sie hatte geahnt, dass dieser Teil nicht leicht werden würde und dass es dafür keine Hilfe geben konnte. Bei diesem Gedanken griff sie nach der Verbindung zu Nathan, sperrte sie in einen ihrer Kopfräume und zog die Grenzen darum fester, um sie zu isolieren. Sie wusste nicht genau, wie sie funktionierte, aber es würde es für keinen von ihnen leichter machen, wenn er Teil dieses Prozesses wurde.

Ein roter Schatten erschien in ihrem Augenwinkel und Erleichterung erfasste sie, als ihr Körper zum Anker für das La wurde, das um sie herum floss. Verbindung und Ruhe sangen in ihrem Körper. Ihr Blickfeld wurde wieder klarer und sie entdeckte Haku zu ihren Füßen. Sie wusste nicht, ob sie selbst den Strom des La durch ihren Körper lenkte oder ob er es tat, und im Grunde spielte es auch keine Rolle. Dankbar für seinen Rückhalt senkte sie kurz den Kopf und versuchte sich an einem kleinen Lächeln.

Gemeinsam gingen sie weiter. Immer wieder musste Yllaria stehen bleiben. Mittlerweile zitterte ihr ganzer Körper, während die Schmerzen in immer neuen Wellen über sie hinwegrollten. Doch jedes Mal wartete Haku, bis sie ihren Weg fortsetzen konnte.

Schließlich erreichten sie die Lichtung. Die Luft schien geradezu vor Magie zu flimmern. Das Rauschen der Blätter hallte plötzlich viel zu laut in ihren Ohren wider. Jeder Laut, jede Bewegung, selbst die Berührung des Windes auf ihrer Haut schien zu viel zu sein.

Dann brach die Stasis endgültig. Der Schmerz traf sie mit voller Wucht. Yllaria sank auf die Knie und ließ sich schließlich kraftlos auf den kalten Waldboden fallen. Ihre Glieder waren plötzlich zu schwer, um sie noch zu bewegen. Sie schloss die Augen. Zu viel geschah gleichzeitig.

Sie spürte das Blut heiß durch ihre Adern fließen, als würde es sich brennend durch ihren Körper bewegen. Aber da war noch mehr. Diese Hitze war merkwürdig und sie fühlte sich falsch an. Was immer es war, es hatte vorerst keinen Platz in ihr. Sie schob sie in einen weiteren Kopfraum, sodass nur noch ein kleiner Teil davon in ihr zurückblieb.

Die Verbindung zu Haku schwang weiterhin in ihrem Inneren. Warm und allumfassend. Unter ihr floss das La. Beides hielt sie.

Dann erreichte das Reißen seinen Höhepunkt und plötzlich war da nichts mehr. Kein Schmerz. Keine Schwere. Yllaria fühlte sich leicht, als hätte ihr Körper jede Bedeutung verloren. Alles trat zurück, als gäbe es nur noch sie, die Verbindung zu Haku und dem Wald.

Dann erschienen Wärme und Licht. Yllaria wusste, dass sie jetzt die Möglichkeit hatte, auf die andere Seite zu wechseln. Endgültig. Sie musste nur loslassen, sich endgültig dem Kreislauf übergeben, den sie ihr ganzes Leben lang als selbstverständlich angenommen hatte. Für einen Moment verweilte sie an dieser Schwelle. Dann schüttelte die Waldelfe leicht den Kopf. Sie hatte ihre Entscheidung bereits getroffen. Bewusst wandte sie sich wieder ihrem Körper zu.

Im selben Augenblick nahm sie wahr, wie etwas in ihr nachgab. Etwas löste sich. Yllaria wollte instinktiv danach greifen, doch gleichzeitig spürte sie einen anderen Teil von sich, fest verankert und gehalten von jener warmen Verbindung, die sie seit so langer Zeit kannte. Grüne Augen suchten ihren Blick. Haku. Dieser Teil blieb. Der andere nicht, er wurde fortgezogen. Die Leere, die zurückblieb, traf sie beinahe ebenso heftig wie zuvor der Schmerz.

Die Magie auf der Lichtung schwoll an, als würde es alle Kraft aufbringen und sich gegen etwas Unsichtbares stemmen. Das La umgab sie so dicht, dass sie meinte, es auf ihrer Haut spüren zu können. Yllaria atmete es tief ein. Ruhe und Verbindung. Der zweite Gedanke hallte ungewöhnlich stark in ihr nach. Verbindung. Sie hielt daran fest.

Dann legte sich Dunkelheit über sie und Yllaria hieß sie willkommen.

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